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Destiny-Tagebücher, Teil 1: Das 500-Millionen-Dollar-Spiel

Geschrieben von Daniel
Destiny-Tagebücher, Teil 1: Das 500-Millionen-Dollar-Spiel

Hier ist es also: „Destiny“. Bungies erster Shooter nach gut 10 Jahren „Halo“. Activisions Online-Hoffnung. Und der Titel, der gut eine halbe Milliarde US-Dollar kostet(e). Ob es was taugt?

Schöne Aussichten? Es wird sich zeigen, ob Destiny 500 Millionen wert wahr.
Schöne Aussichten? Es wird sich zeigen, ob Destiny 500 Millionen wert wahr.

Die Antwort müsste im Pawlow’schen Reflex sein: Nie und nimmer! Spieljournalisten reagieren gern allergisch auf Ankündigungen der Marke „Wir haben ein Riesenbudget für Spiel XY“. Dann zeigen sie auf die tausenden Indie-Entwickler, die mit einem Winzbetrag spielerische Kleinode schaffen. Gesteigert werden kann das Ekelgefühl nur noch, kommt da eine Pressemitteilung wie „Frühe Tests sind nicht aussagekräftig!“ Im Fall „Destiny“ bedeutet dies, dass die Kritiker erst nach dem zuvor kommunizierten Level-Cap von 20 (keine Sorge, es geht noch etwas weiter…) auf das „echte“ Spiel treffen, das sie dann in den Bann ziehen soll.

Nun, liebes Bungie-Team und Activision: Mich interessiert es nicht, ob ein Titel nun 10 Euro in der Herstellung kostete oder den Haushalt von Liechtenstein gefressen hätte. Die Aussage aber, man würde erst nach der Levelgrenze in das Spiel eintauchen können, sah und sehe ich als Herausforderung. Also Bungie und Activison: Über die nächsten zwei Monate werde ich eurer Super-Super-„Destiny“ in hübscher Regelmäßigkeit spielen. Und liebe Leser: Wer sich in Kürze aufregen will, weil die Geduld zum Lesen aller „Destiny“-Teile dieser Reihe fehlt, dem sei der süffisante Kommentar von Jörg Luibl auf 4Players empfohlen.

Destiny, ein Kracher? Ja, bestimmt!

Als Spieljournalist kann ich mich in der Regel nicht retten vor Pressemitteilungen, neuen Grafik-Assets oder Informationshäppchen, die den Appetit auf ein Spiel anregen sollen. Bei „Destiny“ war dies anders. Grob wusste ich, worum es geht – man schießt in offenen Welten Dutzende von Gegnern über den Haufen, nimmt bis zu zwei Freunde im Squad mit und findet Waffen. Auch las ich hier und da etwas über das Spiel, sah die Schaufenster-Deko im örtlichen GameStop oder einen kurzen Trailer im Fernsehen. Aber Hype? Nie und nimmer. „Destiny“ war mir fremd. Selbst nachdem ich die Beta angespielt hatte, stellte ich für mich selbst fest, dass mich an diesem Spiel nichts hob. Es wirkte wie eine Mischung aus „Halo“, „Borderlands“ und „Defiance“ – wenig definiert, um sagen zu können, weshalb ich nun „Destiny“ statt „Borderlands“, „Halo“ oder „Defiance“ spielen sollte. Die Symbiose aus Shooter und Online-Spiel war für mich nur in Ansätzen zu erahnen. Und das sollte auch nicht das einzige Problem des Spiels sein.

Drei Klassen, die zu wenige Unterschiede besitzen... anfangs zumindest. (Bild: Activision)
Drei Klassen, die zu wenige Unterschiede besitzen… anfangs zumindest. (Bild: Activision)

Gut, zugegeben: Das Opening mit drei Astronauten, die auf dem Mars eine frei schwebende Kugel in der Größe eines Mondes entdecken, macht neugierig, auch der Spieleinsteig begeistert. Denn als womöglich jahrzehntelang vor sich hinrottender Kämpfer, der vom Tod ins Leben zurückgeholt wird, fühle ich mich vor dem Bildschirm wie mein Alter Ego (das ich aus einer von drei Klassen wählen darf) dahinter: Verwirrt und in eine fremde Welt hineingeworfen. Eine gefährliche Welt. Die ersten Spielminuten deuten mit schnellen Schusswechseln an, was mich in den nächsten Stunden erwarten würde. Und dann diese Grafik! Auf der PlayStation 4 wirkt „Destiny“ extrem edel – nicht nur die größtenteils knackscharfen Texturen verpassen der Spielumgebung ungewohnt plastische Oberflächen, die vielen Licht- und Schattenspielereien stellen wunderbar heraus, weshalb die neue Konsolengeneration der alten überlegen ist, auf der „Destiny“ auch erhältlich ist. Auf allen Plattformen soll die Steuerung gleich gut und präzise sein – auf der PS4 kann ich das bestätigen. Die „Halo“-typischen Merkmale wie schneller Turn, recht kräftiges Autoaiming und präzise Reaktion auf Tasteneingaben finden sich in „Destiny“ zu jeder Sekunde wieder. Ungewohnt nur, dass weder eine Karte eingeblendet, noch die Steuerung des eigenen Hovergefährts unabhängig der Shootersteuerung justiert werden kann. Da waren andere Spiele weiter.

Uninteressant? Gewiss! Vermute ich…

Gegner gibt es zuhauf, leider sind die strunzendoof. Laune machen die Gefechte trotzdem immer wieder. (Bild: Bungie)
Gegner gibt es zuhauf, leider sind die strunzendoof. Laune machen die Gefechte trotzdem immer wieder. (Bild: Bungie)

Die Einstiegsmission endet mit der Erbeutung eines alten Raumschiffes, das mich und meinen Charakter zum Turm fliegt, der letzten Enklave der Menschheit. Die muss sich der „Dunkelheit“ erwehren, einem kaum greifbaren Gegner – der einzig interstellare Verbündete ist der Reisende, der in dem Minimond vom Mars lebte und sich mit letzter Kraft zur Erde rettete. Neben den homo sapiens leben auch noch zig andere Spezies in unserem Sonnensystem, von denen ich aber nichts erfahre. Schönen Gruß von „Mass Effect“, dort informiert eine Enzyklopädie über Rassen, Konflikte, Technologien und Systeme. Wieso hat „Destiny“ so etwas nicht? Es will mir nicht in den Kopf – und so schieße ich alle möglichen Pappkameraden über den Haufen. Statt taktisch fordernder Gefechte, setzt der Titel auf schiere Masse. Die letzten Exemplare einer Gruppe verschanzen sich erbärmlich hinter Kisten oder wissen gar nicht erst, wohin sie flüchten sollen und bleiben wie angewurzelt und ohne Gegenwehr stehen, um ihren Gnadenschuss zu erwarten. Nicht so schlimm, denn die schnell entvölkerte Welt erfreut sich bereits wenige Sekunden später einer Klonarmee am selben Ort, die auch wieder niedergemäht wird.

Nur selten hinterlassen Gegner Munition oder wertvolle Ausrüstung. Und so ballert man nur, um den Levelbalken in kleinen Schritten zu füllen. Was repetitiv klingt, ist es auch. Die ständig gleichen Gefechte, einfallslose Quests („Renne von A nach B, um C zu töten“; „Scanne etwas und verteidige dich gegen die Horden“) sowie die schnell in den Hintergrund rückende Story schmälern Spaß und Interesse zunehmend.

Nach wenigen Tagen war ich auf Level 8 (und habe nur dann gespielt, wenn ich es wirklich wollte) und wusste nicht mehr, ob ich „Destiny“ noch weiter spielen würde. Aber dann klangen mir die Worte Activisions im Ohr: „Erst ab Level 20 geht das Spiel richtig los!“ Also noch zwölf Level… wenigstens fand ich Freunde im All…

Teil zwei folgt in Kürze…

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Über Daniel

Geboren 1985 in der graukalten DDR (dazu noch im Berliner Ghetto) strampelte sich Klein-Daniel '89 zur Mauer und riss das Ding kurzerhand ein. Nach der Wende: NES, SNES, MegaDrive, ADHS, N64, PSX und Co. bis er die nebenberufliche Laufbahn des Schreiberlings für Videospiele annahm. Das war ein Fehler. Für die teils erschrockene Leserschaft - nicht für Daniel.

Veröffentlicht am 21. September 2014

5 Kommentare zu “Destiny-Tagebücher, Teil 1: Das 500-Millionen-Dollar-Spiel

  1. Dirk schrieb am :

    Also wenn mir ein Entwickler/Publisher schon vor dem kauf quasi sagt, erst ab Maximallevel fängt das Spiel richtig an, habe ich im Prinzip schon keine Lust mehr, Zeit und Geld darin zu versenken. ein spiel muss von der ersten Minute an spannend und fesselnd sein, oder mindestens eine Menge Spass machen, damit sich das für mich lohnt.
    Vielleicht schaue ich ja mal rein, wenn es denn mal irgendwann eine PC-Version geben sollte, wenn nicht, was solls, andere Mütter haben auch hübsche Töchter.

    • Da muss ich Dirk absolut zustimmen. Ich erinnere mich an unsere Diskussion zu „Diablo 3“, in der einer unserer Leser gemeint hat, wir sollten doch nicht so kritisch mit dem Spiel umgehen, denn ab dem zweiten Durchspielen wird es besser. Und schon damals habe ich diese Herangehensweise nicht verstanden und vehement dagegen argumentiert, denn ein Spiel sollte mich spätestens in der ersten Stunde fesseln, wenn es meiner weitere Aufmerksamkeit haben möchte.

      Nun, bislang lässt mich „Destiny“, trotz sicherlich guter Shooter-Mechanik und netter Optik, ziemlich kalt. Mal sehen, ob sich das noch ändert…

  2. Mein großes Problem mit dem Spiel ist die fehlende Story. Dass man online spielen muss, geschenkt, da es ja quasi automatisch Multiplayer bietet muss man da durch.

    Nur, wenn ich Onlineshooter spielen will, dann gerne mal eine kurze, knackige spannende Runde: Fistful of Frags, Dino D-Day, Battlefield 3, Team Fortress 2 (und Call of Duty bietet sich selbstredend auch an).
    (Die ersten zwei Beispiele habe ich genannt, weil die Spiele alle sehr günstig oder gar kostenlos und wenig bekannt sind aber eben zwischendurch immer mal sehr viel Spaß machen).

    Wenn ich einen normalen Shooter zocken will, dann möchte ich eine spannende Story (habe mir gerade noch mal die F.E.A.R. Trilogie inkl. Addons für 7,50 Euro gegönnt, auch wenn ich dadurch den ersten Teil schon mehrfach habe), was ich auf keinen Fall will ist ständig für „Quests“ wie in einem zehn Jahre alten Asia F2P MMORPG über die gleichen Maps hin- und hergeschickt zu werden.
    Und wenn ich Coop mit einem Kumpel spielen möchte, dann kann ich zu Borderlands 1 und 2 greifen.

    Damit sitzt Destiny zwischen allen Stühlen. Es bietet von allem etwas aber nichts richtig.

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