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Der Film zum…Zombieland

Geschrieben von Sven
Der Film zum…Zombieland

Wäre Left 4 Dead eine Satire, Zombieland wäre vermutlich der Film zum Spiel. Aber da Left 4 Dead nicht lustig ist, ist Zombieland auch keine Verfilmung des Valve-Spiels. Versteht ihr?

Vergleiche hin oder her: Regisseur Ruben Fleischer spricht mit seinem Zombiefilm ohne Frage die jüngere Zielgruppe an. Eine Handlung auf seichtem Hollywood-Niveau, kombiniert mit einem Hauch Splatter in Form von matschigen Untoten, die eigentlich nur dazu da sind, um vor allem von Tallahassee (Woody Harrelson) auf facettenreiche Art und Weise zerlegt zu werden. Zugegeben: Das ist unterhaltsam, aber in meinen Augen ziemlich weit von meinem geliebten Shawn of the Dead entfernt. Klar, ich will keinen ausschweifenden Anspruch in einem Zombiefilm, aber manche Szenen und Dialoge hätten auch locker aus einer billigen Teenie-Komödie stammen können. Dazu kommen einige Längen und ein recht unbefriedigendes Ende. Das schreit geradezu nach einer Fortsetzung, die laut Fleischer längst geplant ist. Und noch eine 3D-Version des ersten Teils. Prima, das riecht ein wenig nach einem SAW-Sequel-Wahn, der dann so lange andauert, bis kein Geld mehr rausgequetscht werden kann?

Zombieland: Freundliche Kinder aus der Nachbarschaft
Zombieland: Freundliche Kinder aus der Nachbarschaft

Ich will aber nicht unfair sein. Zombieland hat etliche tolle Momente, die einfach Spaß bereiten. Der außergewöhnliche Cameoauftritt hat mich schon etwas überrascht, trotzdem wurde dieser unnötig in die Länge gezogen und die Hauptdarstellerin Wichita (Emma Stone) glotzte die ganze Zeit dämlich in die Kamera, als würde sie den Star wie ein kleines Kind anhimmeln. Irgendwie billig. Ach, ich meckere schon wieder. Gelungen sind auch andere Ideen, z.B. das „Massaker“ im Vergnügungspark oder das Aufzählen der Überlebensregeln des ganz knuffigen Columbus (Jesse Eisenberg). Der Verlierertyp ist zwar extrem Klischee-behaftet (WoW-Junkie halt), aber er spielt irgendwie überzeugend, sympathisch und…zielgruppen-gerecht. Erstaunlich, dass er sich neben Woody Harrelson, der nach Natural Born Killers in Zombieland mal wieder voll in seinem Element ist, so gut halten kann. Respekt! Die beiden Mädels Wichita und Little Rock (Abigail Breslin als Little Miss Sunshine) fallen hier tatsächlich ganz schön ab, wie mein geschätzter Kollege Andreas schon in seiner Kritik schrieb. Emma Stone ist zwar hübsch anzusehen, aber sonst fehlt mir hier einfach die Charakterstärke, so dass sie von den männlichen Rollen regelrecht erdrückt wird. Ach, stimmt ja – in Hollywood (oder ganz Amerika?) gibt es ja kaum starke Frauen mit Profil. In Zombieland erst recht nicht.

Symapthische Akteure
Symapthische Akteure

Aber ich sollte nicht zu viel in Zombieland sehen, denn Fleischer wollte ganz sicher nur launiges Popcorn-Kino mit Zombies bieten. Aber dass das auch mit Gesellschaftskritik und dezent niveauvoller geht, zeigt ein Shawn of the Dead viel besser. Zombieland kratzt hier an der rauen Oberfläche einer gefledderten Leiche. Und wieso der Vierertrupp einen ganzen Laden mit indianischen Souvenirs zerstören muss, hab ich nicht verstanden. Mag Fleischer nicht die Ureinwohner seines Heimatlandes? Oder die Kommerzialisierung einer längst zerstörten Kultur? Oder war das nur ein Versehen? Wollte er hier tatsächlich eine Botschaft vermitteln? Solche Fragen musste ich mir bei Shawn of the Dead nicht stellen.

Im Großen und Ganzen ist Zombieland unterhaltsam, keine Frage. Vielleicht liegt es nur an meinem Alter, dass ich jetzt sogar bei Zombiefilmen erwarte, dass sie auch meinen braunen Brei in der Birne fördern sollen. Aber irgendwie sind mir Story und „Message“ einfach etwas zu billig, so dass der Film für mir nur für ein „Is´okay, macht Spaß “ reicht. Na, das ist ja eigentlich auch nicht schlecht, glaub ich.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 11. Dezember 2009

Ein Kommentar zu “Der Film zum…Zombieland

  1. Left4Dead ist nicht lustig? Trauriger Mensch, also ich habe mich ab den Sprüchen der Protagonisten halb tot gelacht. Francis: „My ass hurts“.

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