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Dead Island: Von Zombies, Inseln und einem Release

Geschrieben von Sven
Dead Island: Von Zombies, Inseln und einem Release

Kindergarten-Horror gibts im Spielesektor wie Grabsteine auf einem gut gepflegten Friedhof. Richtiger Horror, mit Grauen und Angst und so, findet man heutzutage nicht mehr so oft. „Resident Evil 5“ ist das perfekte Beispiel dafür, wie sich eine erfolgreiche Marke weg vom Zombie-Schocker zu einem Mainstream-tauglichen Action-Shooter entwickelt hat. „Left 4 Dead“ setzt ebenfalls nicht sehr viel auf den populären sowie blutigen Gedanken der Untoten-Schauspielerei, sondern legt den Fokus auf kooperative Ballereien. Das muss nichts Schlechtes sein, persönlich würde ich aber Gänsehaut dem Abmetzeln vorziehen. Vielleicht darf ich mich daher auf „Dead Island“ freuen?

„Dead Island“ wurde von den „Call of Juarez“- und „Chrome“- Entwicklern vor über fünf Jahren erstmals erwähnt und im Mai 2006 offiziell angekündigt. Häufig wurde darüber spekuliert, dass der Titel eingestellt wurde, immer wieder betonte das polnische Studio Techland allerdings, dass die Arbeiten Fortschritte machen würden. Aktuellen Meldungen zufolge heißt es nun: „Dead Island“ befindet sich unverändert in Entwicklung, dagegen hätte man „Chrome 2“ und „Warhead“ – beides Actionshooter-Projekte – auf Eis gelegt. Die Insel der Toten soll unverändert erscheinen, aktuelle Details möchte man noch nicht verraten. Wenigstens deutet so einiges darauf hin, dass DeepSilver das Spiel in den Handel bringen möchte. In der Vergangenheit erschienen die meisten Techland-Produktionen über den Planegger Publisher, zum Beispiel „XPand Rally“ oder „Chrome SpecForce“. Auch das aktuelle Offroad-Rennspiel „nail’d“ wird über das Gamer-Label von KochMedia veröffentlicht. Da liegt der Verdacht doch nahe, dass „Dead Island“ ebenfalls über das bayerische Unternehmen in die Verkaufsregale gebracht werden könnte, oder? Eine Anfrage bei DeepSilver wurde direkt mit einem „Dazu kann ich offiziell im Moment nichts sagen…“ abgeschmettert, wobei in eine solche Aussage einiges hinein interpretiert werden kann. Zudem: Die Domain DeadIsland.com verweist nicht nur auf die offizielle Webseite von DeepSilver, sie wurde ebenfalls von Kochmedia registriert. Das sicher nicht ganz grundlos, oder? Jedenfalls wird der ehemalige Publisher Paradox nicht mehr mit von der Partie sein. Wobei – viele Paradox-Titel kommen über DeepSilver/KochMedia. Welch Zufall?

Erste Screenshots wurden 2006 gezeigt. Dieses Bild ist also vier Jahre alt.

Zurück zum eigentlichen Spiel. Egal wer „Dead Island“ nun veröffentlicht, seit Jahren verfolge ich mit Interesse die spärlichen Neuigkeiten und die eher traurigen Releaseverschiebungen. Für äußerst reizvoll halte ich das gesamte Szenario: Der Protagonist landet auf einer tropischen Karibikinsel, um sich dort nicht in die Hängematte zu hauen und ein paar Cocktails zu schlürfen. Vielmehr muss er ums Überleben kämpfen. Auf dem Eiland tummeln sich keine fröhlichen Einwohner in ihren Souvenir-Läden, die sein Geld wollen, sondern nicht ganz so gut gelaunte Zombies, welche liebend gerne etwas am Blutvorrat des Helden nippen möchten. Eine freie und über 100 Quadratkilometer große Spielewelt, ein tiefgreifenderes Quest-System, bei dem man Aufträge von Überlebenden erhält, und natürlich eine spannende Handlung rund um wenig lebendige Kreaturen sollten die Aushängeschilder des Titels werden.  Ende 2008 war von modernen DirectX10-Effekten die Rede, die die hauseigene „Chrome“-Engine ermöglichen sollte. 2010 ist DirectX11 trendy und der technologische Fortschritt, speziell bei PC-Hardware, macht nicht Halt. Entwickler haben Probleme, hier mitzuhalten (Man schaue sich nur an, wie wenig Spiele DX11 aktuell unterstützen). Ob und inwieweit sich hier etwas bei „Dead Island“ getan hat? Unklar! Damals gefiel mir, dass Techland einzig ein Abenteuer für Solisten vorsah, unter anderem weil man nicht mit „Left 4 Dead“ und ähnlichen Titeln konkurrieren wollte. Diese Aussage von Programmierer Pawel Kopinski ist allerdings auch schon über zwei Jahre alt. Geändert hat sich seit der Ankündigung aber eines nicht: Zombies sind unverändert sehr populär, egal ob bei Spiel oder Film.

Im März 2008 sah das Spiel schon bedeutend besser aus.

Ich hoffe inständig, dass Techland bei „Dead Island“ gut vorangekommen ist und mir endlich mal wieder ein vernünftiger Schocker mit Tiefgang vorgesetzt wird. Action ist freilich gerne gesehen, doch sollte man auch bei einem Zombie-Spiel der Story keine untergeordnete Rolle zukommen lassen. Immerhin bietet das Konzept der Insel der Toten einige spannende Ansätze und nutzbare Hintergründe. Nehmen wir zum Beispiel die Île des Morts. Auf diese zu Frankreich gehörenden Insel wurden Anfang des 18. Jahrhunderts Lepra-Patienten zum Sterben gebracht. Die schönsten Opfer sahen bestimmt genauso aus wie Zombies.

Verbindungen zwischen lebenden Toten und Inseln finden sich auch anderenorts. So haben diese Gestalten bekanntlich ihren Ursprung im Voodoo, der durch die US-Besetzung von Haiti Anfang des 20. Jahrhunderts massiv unsere Kultur beeinflusste – wenn auch auf die eher schreckliche Art und Weise, schließlich sind Zombies in dieser Religion nicht zwangsläufig fleischfressende und blutsaugende Monster, zum Beispiel in Ursprungsgebiet Afrika. Jedenfalls ist Haiti ein Land auf einer – richtig! – Insel mit dem Namen Hispaniola. Verseuchte Inseln waren ebenso Schauplätze für diverse Trashfilme, sogar Uwe Bolls „House of the Dead“ spielte auf einem abgelegenen und nur mit dem Schiff erreichbaren Gebiet. Wieso auch immer, die Vorlage von Sega schickte Freunde der seelenlosen Ex-Menschen eigentlich woanders hin. Im B-Movie „Voodoo Island“ wurde Boris Karloff 1957 auf eine Insel gebracht. Auf dieser sollte er herausfinden, ob dort der Voodoo u.a. für das Erschaffen von Zombies und Riesenschlangen missbraucht wurde. Was er dort zu sehen bekam, war übler Müll. Noch schlimmer ist „Island of the Dead“ aus dem Jahr 2000. Immerhin bekam Malcom McDowell die Hauptrolle, der Film ist trotzdem Scheiße. Sozusagen absolut aktuell ist „Survival of the Dead“. Die sechste Episode der niemals enden wollenden George A. Romero – „…of the Dead“-Reihe katapultiert die Zuschauer auf ein Stückchen Boden mit Wasser herum, Zombies in Massen gibts oben drauf. Ich hab mir sagen lassen, dass sogar eine Story vorhanden ist, die vermutlich typisch für Romero sein dürfte: klassisch, böse, fiese Zombies.

Letzte Impressionen gabs im Dezember 2008 zu sehen. In dem Fall vermutlich eine Artwork-Grafik.

Der aufmerksame Leser dürfte spätestens jetzt skeptisch sein: Zombies auf einer Insel wurden bisher nicht wirklich überzeugend in Szene gesetzt. Nun wird es aber langsam mal Zeit dafür, oder? Außerdem: In der Regel genügt einem Ottonormalspieler sowieso ein Drehbuch auf unterem Hollywood-Niveau, um ordentlich unterhalten zu werden. Nicht unberücksichtigt sollte bleiben, dass Techland mit den beiden „Call of Juarez“-Spielen gezeigt haben, dass sie stimmige Geschichten vermitteln können. Die Basis, also Zombies + Insel, verfügt auf jeden Fall über viel Potential, auch wenn davon auszugehen ist, dass die Gegner nicht als friedliche Gesellen dargestellt werden – so wie im ursprünglichen Voodoo-Kult. In diesem waren Zombies häufig Arbeitssklaven oder dergleichen. Bei „Dead Island“ dürfen wir uns auf jede Menge Pixelblut freuen, was die Chance auf einen Release in Deutschland sinken lässt.

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Der bisher einzige Teaser-Trailer von der Games Convention 2007 kündigte das Spiel für 2008 an.

Zwar sind die letzten offiziellen Infos von „Dead Island“ etwas angestaubt, vermutlich dennoch aktuell. Im Spiel sollen wir Dschungel-, Stadt- und Küstenregionen durchqueren. Die NPCs geben Aufträge, die gemeistert werden wollen. Dadurch macht man sich in der Welt Freunde oder Feinde – also vergleichbar mit „Fallout 3“ und anderen epischeren Action-Rollenspielen. Facettenreiche Kämpfe sollten durch das Anwenden der Elemente (Strom, Feuer, Wasser) und dem spontanen Nutzen herumstehender Gegenstände („Dead Rising“ lässt grüßen?) ermöglicht werden. Ob es dabei bleiben wird? Ich bin guter Dinge – 2010 könnte „Dead Island“ erscheinen, wenn bald der Publisher genannt wird und die Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist.

Update: Auf Anfrage teilte uns Techland am 10.01.2011 mit, dass sich „Dead Island“ unverändert in Arbeit befindet. Mehr möchte man nach wie vor nicht verraten. 2010 ist nicht aus der Zombie-Hatz geworden, aber vielleicht klappt es mit 2011? Was macht schon ein Jahr…

Update #2: Jetzt gibt es Gewissheit! Dead Island befindet sich nach wie vor in Entwicklung, wie Techland und Publisher DeepSilver nun in Form eines neuen und hervorragend inszenierten Trailers verdeutlichen. Dieser wurde am 17.02.2011 offiziell präsentiert. Als Releasezeitraum wird die 2. Jahreshälfte 2011 angegeben. Interessant: Neben Zombie-Action auf der Insel erwarten uns ein Vierspieler-Coop-Modus und Rollenspiel-Elemente. Den eigenen Charakter darf man fortlaufend verbessern. Nach wie vor ist das Spiel für PC, Xbox 360 und PS3 vorgesehen.

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Der neueste Trailer vom Februar 2011 dient als Lebenszeichen!
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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 26. April 2010

10 Kommentare zu “Dead Island: Von Zombies, Inseln und einem Release

  1. Altairre schrieb am :

    Hi Sven,

    hier schreiben leider zu wenig Leute (meiner Ansicht nach) Kommentare. Ich werde das in Zukunft öfter und auch ungefragt tun und dich mit Kommentaren, Fragen und gnadenlos zerstörender Kritik nerven…oder so. Die Berichte auf dieser Seite sind nämlich absolut top, ausführlich und interessant geschrieben, kurzum: lesenswert. Zu diesem Bericht im Speziellen schreibe ich jetzt mal noch nix themabezogenes (nicht so meins, das Spiel^^), aber ich denke da wird sich in Zukunft noch einiges ergeben. In diesem Sinne, man liest sich

    Altairre

  2. Pingback: Awesome Zombie Game Trailer: Dead Island [LangweileDich.net]

  3. Pingback: Dead Island (Zombie Ego-Shooter) | OhneSpassgehts.Net

  4. Bummi schrieb am :

    Ich finde es ja gut das sich hier jemand ganz doll Mühe gibt auf den neusten Stand zu bleiben und ein Spiel zu veröffentlichen was Grafisch sehr anspruchsvoll zu sein scheint (wird). So nu habe ich den Trailer gesehen und würde mich natürlich auch über INfos freuen aber nirgends findet man Brauchbare infos über das Game. Sollte es ein Singleplayer Game sein wirds schnell Langweilig. Left 4 DEad 2 / Valve hat erkannt worum es geht, nämlich ums überleben. Dead Space 2 hat auch eine super Story und ist für Singleplayer okey aber mit einem Freund/e oder Partner/n spielt es sich doch immernoch am besten. Man kann sich gegenseitig helfen und notfalls auch den Rückendecken alles andere währe übertrieben. Auch wenn das Game Grafisch was hermacht wenn es Kein Multiplayer unterstützt werde ich es mir wohl kaum kaufen soviel ist sicher. Hoffe also nicht das es ein Singleplayergame sein wird denn das währe rausgeworfenes Geld für ein Singleplayergame so einen Aufwand zu betreiben.

  5. Bert schrieb am :

    Also so wirklich überzeugt hat mich dieses Review auch noch nicht. _Zwar sind die Bilder nicht gerade unansehnlich, aber das Spiel an sich scheint mir etwas Tiefgang zu vermissen.

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